Bald wird man vom deutschen Wirtschaftswunder sprechen
Die Frauen aus der damaligen Herrieder Zigarrenfabrik
Die Männer aus Otto Schüllers Möbelfabrik
Auf gehts zur „Peters-Kerwa” nach Lammelbach
Die „Peters-Kerwa” in Lammelbach war eine der populärsten Kirchweihen rund um Herrieden. Das Gasthaus Birkel war Anlaufstation für jung und alt. Herrieder Geschäftsleute ließen es sich nicht entgehen, eine Maß Bier nach der anderen zu spendieren, zur Kundenpflege natürlich. Weniger respektvoll nannte man das draußen auf den Dörfern: da war nur vom „Kundschaftssaufen” die Rede. Und so manch wackerer, cleverer und trinkfester Mann verließ die „Peterskerwa” am späten Abend, ohne auch nur eine einzige Mark aus eigener Tasche bezahlt zu haben, immerhin auf eigenen wackeligen Beinen
Im Jahr 1950 wollten die Lammelbacher dann etwas höher hinaus. „Ein Zelt muß her” hieß die Devise des harten Kerns der Gäste. Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde das Zelt hingestellt, der Flüssigkeitsverlust des Körpers schnell mit Bier ausgeglichen. Einige Fässer sollen beim Aufstellen des Zeltes geleert worden sein. Zur Peterskerwa war auch eine richtige Schlachtschüssel angesagt. Auf die Bratwürste freute man sich schon Wochen vorher. Auch eine Sau wurde damals noch anders „aufgemacht” und zerlegt als heute. Koteletten, Schnitzel? Davon hatte man kaum je gehört.
Als schließlich am Sonntag die Gäste, vor allem die geschätzten Geschäftsleute im Zelt Platz nahmen, begann es wie aus Kübeln zu gießen. Und weil die Zeltaufsteller sich gar nicht hatten denken können, daß es jemals ihre „Peterskerwa” verregnen könnte, hatten sie auch ganz vergessen, einen Wassergraben ums Zelt zu ziehen. Die Sintflut, die an jenem Sommertag im Jahre 1950 durch Lammelbach schoß vertrieb auch den letzten Gast. Selbst die erfahrenen „Kundschaftssäufer” hatten nun keine rechte Lust mehr, sie tranken noch ein Bier auf eigene Rechnung und machten sich auf den Heimweg.
Bonn hatte seinen Adenauer, Herrieden seinen Baumgärtner...
...und der Weg zum Martinsberg war noch bequem über die Felder abzukürzen. Noch bevor Herrieden eine neue Schule baut, und noch bevor sich Herrieder Bürger eine neue Wohnsiedlung erschließen, sind für die Kanalisation und Wasserleitung in der Innenstadt erst einmal die vielzitierten „Hand- und Spanndienste” gefragt. Und die hat - neben so vielem anderem - dieser Mann organisiert: Fritz Baumgärtner.
Bitte nehmen Sie noch einmal Platz im Hirschenkino
Hereinspaziert ins Hirschenkino. Mal schaun, was heute auf dem Programm steht. Wir befinden uns immer noch in den 50er Jahren. Und haben uns für 10 Pfennig ein Film-Journal gekauft, das uns das „Neueste aus der Welt des Films” verspricht. Gloria Film zeigt uns heute den Streifen „Franziska” mit Ruth Leuwerik und Carlos Thompson. Im Film-Journal lesen wir darüber: „Franziska war über seine Frechheit empört. Die Tochter von Professor Thiemann läßt sich nicht auf der Straße von einem wildfremden Mann ansprechen.” Wir sind nicht empört, aber dieser Film ist vielleicht doch nicht so unser Fall. Wir sind sicher, wir entscheiden uns für „Die schöne Müllerin”, die lächelt so verführerisch
Können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als man im Kino noch so richtig dahinschmachten konnte, als es noch kein Fernsehen gab ?
Bald wird das 1. Deutsche Fernsehen das „Heimkino” aufmachen. Man wird sich ein Bier holen, ein Gläschen Wein einschenken und was zum Knabbern bereitstellen. Die große Zeit der Salzstängle wird beginnen. Doch bevor der Fernseher eingeschaltet wird, klingelt es. Die Nachbarn sind da, die haben noch kein eigenes Fernsehgerät und wollen mitschauen. „Melissa” zum Beispiel. Oder einen der Durbridge-Krimis wie „Der Tod läuft hinterher”. Kein Mensch mehr auf der Straße, die Nation sitzt gemeinsam vor dem Fernseher und alle sehen den gleichen Film. Und das ist jetzt auch schon so lange vorbei, fast solange wie das Hirschenkino.
Mit dem „Bulldog” zur Traktorweihe und mit dem „Taunus” auf Sonntagsfahrt Traktorweihe auf dem Marktplatz
Ein stolzer Autobesitzer.
Am Nummernschild läßt sich erkennen, daß Herrieden damals noch zum Landkreis Feuchtwangen gehörte, welcher durch die Gebietsreform im neuen Landkreis Ansbach mit aufging.
Bilder zeugen vom Fortschritt in der Landwirtschaft
Es ist ja gar noch nicht solange her, da war die Kuh nicht nur Milchlieferant. Auf vielen Bauernhöfen durfte sie auch Pferde vertreten.
Doch die Zeiten haben sich rasch geändert. Im Stall wird auch schon lange nicht mehr von Hand gemolken. Kühe sind seit langem an die Melkmaschine gewöhnt.
Wie schnell sind neue Maschninen veraltet. Da waren die ersten Bindemäher aufgetaucht und die Landwirte hatten sich meist zusammen einen solchen gekauft. Kaum war das neue Gerät da, das soviel Fortschritt brachte, ein paar Jahre im Einsatz, schon sahen sich die Männer nach einer neuen Technik um. Neunstetter und Niederdombacher Bauern sind nach Triesdorf gekommen. Der neue Mähdrescher ist schon gekauft. Jetzt läßt man sich im Gebrauch unterrichten. Die Bindemäher bleiben in der Scheune.
Als aus München der Landesvater zu Besuch kam
...als sich Alfons Goppel in Herrieden nach dem Stand der Dinge, also nach dem Fortschritt erkundigte, das war doch auch die Zeit, als am Reißbrett wieder einen neue Siedlung entstand, in der schon bald die ersten Bagger standen. Und ein, zwei Jahre später die ersten Häuser. Schließlich der gesamte Bayernring, die Frankenstraße und die Hohenloher Straße. Sie wird von den Herriedern als „Neue Siedlung” bezeichnet. Zur Zeit wird aber am ganz anderen Ende von Herrieden auch fleißig gebaut. Ist das dann die „Neuere Siedlung”, oder die frühere die „Alte Siedlung” ?
Die Hohenberger Siedlung Baubeginn war 1966.
Unser „Bockerla” sagt zum Abschluß leise Servus (ehemalige Bahnlinie Ansbach-Herrieden-Bechhofen)
Gegen Ende unseres erträumten Ausflugs wollen wir in Herrieden noch einmal das „Bockerla” nehmen, stilgerecht mit ihm zurückreisen. Wir rufen im Bahnhof an und müssen hören: „Für Personen geht überhaupt kein Zug mehr”. In der Tat, jetzt fällt's uns wieder ein, zum Schluß sind auf dem Gleis von Bechhofen nach Ansbach ja nur noch Güter transportiert worden. Die Personenbeförderung war schon eingestellt. Längst vorbei die Zeit, als Pendler und Schüler am Morgen noch mit dem Schienenbus nach Ansbach kamen. Und unter denen, die nicht mitfuhren, waren genügend, die das „Bockerla” trotzdem nutzten. Mancher Bauer hat genau gewußt, wann er aufstehen mußte, wann er in den Stall mußte, wann er aufs Feld und wann er zu Mittag heim mußte. Weil um 6 das „Bockerla” nach Ansbach ging und vor Vergnügen jaulte, und um 9 wieder raus. Um 12 wieder rein, um 2 wieder raus.
Zum Schluß
Wir sind nun am Ende unserer Reise und damit wieder in der Gegenwart angekommen. Vielleicht hat der eine oder andere ein kleines Stückchen Vergangenheit mitgenommen, um es sich zu bewahren. Auf jeden Fall aber war es schön, mal wieder die alten Erinnerungen und Bilder hervorzuholen, damit sie erhalten bleiben. Vielleicht möchte auch jemand einfach mal unser Heimatstädtchen besuchen. Tips dazu und die Sehenswürdigkeiten finden sich auf diesen Seiten.
Wir bedanken uns für Ihr Interesse.
Fotos: Max Brenner
