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Geschichte Herriedens (782 - 2017) - kurz gefasst

Herrieden - zwölf Jahrhunderte in XII Zeitfenstern

I. 500 v. Chr. Kelten/100 n. Chr. Römer

Römerkastell Ruffenhofen
Modell des Römerkastells Ruffenhofen
im nördlichen Horizont Herrieden
(Foto 2013)

Die ersten nachgewiesenen Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Herrieden finden sich aus keltischer Zeit um 500 v. Chr. In der Antike reicht das römische Reich mit dem Limes und dem Kastell Ruffenhofen ganz nahe an das spätere Herrieden heran, schließt es aber nicht ein.

II. 782 Abt Deocar/Kaiser Karl der Große

Darstellung Karl der Große besucht Abt Deocar
Karl der Große besucht Abt Deocar/Klostergründung (Deckenfresko Langhaus, ca. 1740, Stiftsbasilika Herrieden, Foto 2010).

In Herrieden, an der sich verzweigenden Altmühl, siedeln die Menschen schon früh, angezogen von der überaus günstigen Verkehrslage: Der Fluss selbst wird als Verkehrsweg genutzt. Von Fulda führt eine wichtige Handelsstraße nach Donauwörth, den Flussübergang erleichtert eine Brücke schon in der Karolingerzeit. An diesem wichtigen Verkehrspunkt gründet Karl der Große ein Kloster, in das er 782 das Mitglied seiner Hofkanzlei Deocar als ersten Abt entsendet: Das Kloster sollte fränkischen Einfluss durchsetzen und Träger fränkischer Reichskultur werden. Deshalb wird es auch reichlich ausgestattet: So gehört u. a. Melk in Niederösterreich zu seinem Besitz (seit 1982 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Herrieden und Melk). Eine Burg gibt es wohl seit den Tagen der Benediktinerabtei.

III. 888 Eichstätt/Chorherren

Hochgrab Deocars 1482
Hochgrab Deocars aus dem Jahr 1482 (v. l.: St. Deocar, St. Wunibald, Mitra und Wappen des Fürstbischofs Wilhelm von Reichenau; Stiftsbasilika Herrieden, Foto 2009)

Im Jahr 888 wird das Reichskloster dem Bischof von Eichstätt übereignet und in ein Chorherrenstift umgewandelt. An die Stelle des Abtes tritt ein Probst, der den Vorsitz über die Chorherren, die Güterverwaltung, aber auch die Grund- und Leibherrschaft über die Untertanen wahrnimmt.

IV. 1238 Herrieden Stadt

Stadt Herrieden
Die hohe Stadtmauer, mit dem mit vielen Schießscharten bestückten überdachten Wehrgang, schützt Bürger und Häuser. Links neben der Stiftskirche sind die Frauenkirche sowie das Stadtschloss mit Turm zu sehen (Ausschnitt Moritz Pedetti, 1762).

In der Eichstätter Chorherrenzeit (888 - 1804) bleibt Herrieden, seit 1238 'Stadt' (in einer Urkunde wird von Herrieder "cives"/Bürgern gesprochen), für ein ausgedehntes Umland nicht nur grundherrschaftlich-niedergerichtlicher Zentralort und seelsorgerisch-geistlicher Mittelpunkt, sondern kultureller Ausstrahlungsort.

Der ausgezeichnete Ruf der Stiftsschule veranlasst z. B. mehrere Augsburger Patrizierfamilien, ihre Söhne als Schüler/Studenten nach Herrieden zu schicken. Auch Jakob Fugger 'der Reiche' hatte im Herrieder Stift eine Pfründe erhalten; Herrieden wird als das 'gelehrteste Stift' gesehen.

V. (1) 1316 König Ludwig der Bayer/Schweiz

König Ludwig der Bayer
Auf dem Thron sitzend ergreift der bekrönte König mit der rechten Hand das Szepter als Sinnbild für die weltliche Macht, während er in der linken Hand den Reichsapfel als Symbol für die Weltherrschaft hält. (Detailansicht des Siegels der Königsurkunde 64 für Schwyz vor dem belagerten Herrieden, 29. März 1316; Staatsarchiv des Kantons Schwyz)

Am 26. und 29. März 1316 werden von König Ludwig dem Bayern im Feldlager vor der belagerten Stadt Herrieden ("in obsidione oppidi Herriden") vier Königsurkunden für die Urkantone (Schwyz, Uri, Unterwalden) der späteren Schweiz ausgestellt - ein wichtiger Meilenstein zur eidgenössischen Staatlichkeit.

V. (2) 1316 König Ludwig der Bayer/Deocar in Lorenzkirche Nürnberg

Deocar in der Lorenzkirche
Deocar sitzt zwischen jeweils drei Aposteln. Die Parallelität zu Christus ist offensichtlich, zwar eine Stufe unter ihm, doch gleichrangig mit den 12 Aposteln (Deocarusaltar Feiertagsseite, Lorenzkirche Nürnberg, Foto 2010).

Nach seinem Tod wird Deocar bald als Heiliger verehrt, seine Reliquien sind begehrt. Als Herrieden 1316 vom (späteren) Kaiser Ludwig dem Bayern zerstört wird, verbringt dieser einen Großteil der Gebeine Deocars als Siegesbeute nach Nürnberg in die Lorenzkirche.

VI. 1358 St. Veits-Reliquiar

Veits-Reliquiar
Reliquiar des heiligen Veit (Prag, 1358; Foto Original 2011; Nachbildung Stiftsbasilika Herrieden)

Kaiser Ludwigs Nachfolger, Kaiser Karl IV., entschädigt Herrieden für den 'Reliquienraub' seines Vorgängers, indem er das kunsthistorisch bedeutsame St. Veits-Reliquiar (u. a. Ausstellungen 2006 in Berlin und Prag, 2005 in New York) stiftet.

VII. 1438 Deocarschrein/Reichsheiltumsschrein

Deocarschrein
Deocar-Silberschrein (Nürnberg, 1437) und Reichsheiltumsschrein (Nürnberg, 1438) Aus: Buckel, Karl/Stadt Herrieden (Hrsg.): Herrieden 1225 Jahre. 782/83 bis 2007/2008. Zeitfenster in die Vergangenheit, Ansbach, 2013, S. 55

Kaiser Karl IV. will Nürnberg zu der Stadt machen, in der auf Dauer die Reichskleinodien, d. h. die Reichsinsignien (z. B. Reichskrone) und Reichsreliquien (u. a. Heilige Lanze und Kreuzpartikel) verwahrt werden sollen. Muster für das Behältnis der wichtigen Reichsreliquien wird v. a. der Deocar-Schrein der Lorenzkirche in Nürnberg.

VIII. 1618 Beginn Dreißigjähriger Krieg

Stadtschloss
Das Stadtschloss ist prägend für das Stadtbild (rechts: linker Turm der Stiftskirche; Detail Moritz Pedetti, 1762).

Das Hochstift Eichstätt, mit Herrieden, gehört dem im Zuge der Reichsreform gegründeten Fränkischen Reichskreis an. In der Mitte des 16. Jahrhunderts sind zwei Drittel des Eichstätter Gebiets protestantisch. Im Dreißigjährigen Krieg erleidet die Stadt durch die Schweden schwerste Bevölkerungsverluste.

Man kann von der Kontinuität einer Burg seit der Zeit Kaiser Karls des Großen und Abt Deocars ausgehen. Die Burg bzw. das Schloss Herrieden ist in die Herrieder Geschichte eingebunden, u. a. als Sitz des Stadtvogtes, als vorübergehende fürstbischöfliche Residenz, als Fluchtburg im Dreißigjährigen Krieg.

IX. 1806 Herrieden zum Königreich Bayern

Stadtsiegel (Siegelführung seit 1366 belegt; Archiv Stadt Herrieden) Heutiges Stadtwappen: In Rot ein hockender goldener Hase, der einen aufrechten silbernen Bischofsstab hält.

Eineinhalb Jahrhunderte leben die Menschen noch unter geistlicher Herrschaft ('unterm Krummstab ist gut leben'), ehe sie, mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806, zum neuen Königreich Bayern gehören. Aus rund 40.000 Städten, Märkten, Dörfern und Weilern entstehen in Bayern durch Gebietsreformen der Jahre 1808/1818 zunächst über 7000 Gemeinden - Herrieden ist eine davon.

Bayern ist Bestandteil des Zweiten Deutschen Kaiserreichs (1871 - 1918), der Weimarer Republik (1919 - 1933) und des Dritten Reiches (1933 - 1945).

X. 1949 Bundesrepublik Deutschland

Heimatvertriebenen-Denkmal
Vertriebenen- und Integrationsdenkmal: Ubi bene ibi patria ('Wo es mir gut geht, bin ich daheim') - die Stadt Herrieden würdigt die gemeinsam geleistete Aufbauarbeit.

Der Freistaat Bayern entwickelt sich innerhalb der Bundesrepublik Deutschland von einem agrarisch geprägten Land zu einem führenden Industrie- und Technologiestandort. Herrieden ist Teil dieser (Erfolgs-)Geschichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg finden hier viele Heimatvertriebene eine neue Heimat und prägen den enormen wirtschaftlichen Aufschwung mit.

XI. 1971 Großgemeinde Herrieden

Durch die Gebietsreform in Bayern ab 1971 verringert sich die Anzahl der kreisangehörigen Gemeinden von etwa 7000 auf nunmehr circa 2000. Neun ehemals selbstständige Gemeinden werden in die Stadt Herrieden eingegliedert. Im Jahr 2015 beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Herrieden 7731.

XII. 2010 Stiftsbasilika

Wappen Papst Benedikts XVI.

Die weit über die Region hinausreichende geistig-spirituelle Ausstrahlung der Stiftsbasilika St. Vitus und St. Deocar wird im Jahr 2010 durch die Verleihung des Ehrentitels einer päpstlichen Basilika gewürdigt.

2017: Zentralität Herriedens

Buchcover
Im Titelbild 'Herrieden 1225 Jahre' (2013) wird die Geschichte Herriedens zusammengefasst: Kaiser Karl der Große im Krönungsornat mit Reichskrone (Albrecht Dürer 1511/13), Beichte Karls des Großen bei Deocar (Deocaraltar, Lorenzkirche Nürnberg). Blick auf die Westseite der Stiftsbasilika 'St. Vitus und St. Deocar'; links: (mit Dachreiter) 'Zu Unserer Lieben Frau (vermuteter Standort des Klosters von Deocar um das Jahr 782.

Die Zentralitätsfunktion Herriedens zeigt sich heute auch im schulischen (Förderschulen, Grund- und Mittelschule, Realschule, Campus Herrieden der Hochschule Ansbach) und kulturellen Angebot (Volkshochschule, Zentrale der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Ansbach, Stiftsbasilika-Konzerte, geplantes Kunst-, Kultur- und Kongresszentrum im Stadtschloss Herrieden).


© Bk, 18. Januar 2017