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Stadtschloss


Wissenswertes zum Baukörper

Das Ringmauertor des frühen 15. Jahrhunderts (1412)

Die Grundform der Burg des 15. Jh. entspricht einem polygonal gebrochenen Dreieck mit Spitze nach Norden und Seitenlängen von 50 (Südseite), 60 (Westseite) und 65 m (Ostseite).

Es handelt sich um eine weitgehend erhaltene bzw. nachvollziehbare Ringmaueranlage mit Tor nach Westen, Wohnbau im Südosten und Bergfried an der Nordspitze. Die erhaltenen Ringmauerabschnitte zeigen Buckelquader aus Keupersandstein mit Randschlag, Hebewerkzeugspuren in Form von Zangenlöchern (klein, kreisrund, in der Ansichtsfläche) sowie vereinzelten Steinmetzzeichen (Kreis, seltener Hakenkreuz).

Die verhältnismäßig nachlässige Ausführung des Mauerwerks, sichtbar in nichtdurchgehenden Lagerfugen, Versprüngen und teilweise unregelmäßigen Quaderformen, verweist auf eine Entstehung im fortgeschrittenen 14. Jh. (nach 1316), oder wahrscheinlicher erst um 1412 (s. u.).

Das Ringmauertor liegt im östlichen, etwa 1,70 m dicken Mauerzug und war offensichtlich spitzbogig ausgebildet. Das Werksteingewände ist infolge der Umwandlung zu einem Rundbogen im oberen Bereich verloren, im unteren Bereich stark gestört. Auf eine spitzbogige Form deuten jedoch die erhaltenen Werksteine im Kämpferbereich/am Bogenansatz, die leicht nach innen gekippt sind, und Analogieschlüsse zeitgleich entstandener Tore (z. B. die Schlupfpforte nördlich des Bergfrieds in der Stadtmauer oder auch der Torturm des Untertors in Herrieden).

Die Toröffnung ist etwa 2,75 m breit und etwa 3,40 m hoch und liegt in einer geringfügig breiteren (etwa 3,10 m) Laibungsnische, die mit einem Stichbogen aus glatten Werksteinquadern schließt.

Bauliche Einzelheiten des primären Tores, wie etwa der Torverschluss (im üblichen Sinne wohl mittels Riegelbalken und -kanal) oder die Drehzapfensteine für den oder die Torflügel sind aufgrund späterer Veränderungen nicht überkommen.

Axial über der Toröffnung ist feldseitig eine etwa 1,50 x 1,80 m große, aus Buntsandstein gearbeitete Stiftertafel in die Ringmauer eingelassen, die im Flachrelief den Eichstätter Bischof Friedrich IV. von Oettingen (links) sowie den Bistumsgründer St. Willibald mit Evangelienbuch und Bischofsstab (rechts) zeigt. Zwischen beiden befindet sich das große Stammwappen der von Oettingen mit zwei Schragen und dem Rumpf einer Bracke, darüber das Wappen des Eichstätter Hochstifts (Bischofsstab, bekrönt von Mitra) und daneben das Wappen des Domkapitels (drei Leoparden).

Die lateinische Umschrift in gotischen Minuskeln lautet +anno·dm·m·c·c·c·c·x ii·revendiss/ imos·i·xpo ·pr·e·dns·dns·fridr/ icus eps·Eystetn·comes·De·Otingn·hec· edificare·fecit. (zu Deutsch: Im Jahre des Herrn 1412 hat der höchst ehrwürdige Pater in Christo und Herr Friedrich, Bischof von Eichstädt, Graf von Oettingen Dieses [Schloss] zu bauen veranlasst). 10 Darstellung und Tafel werden von einer profilierten Werksteinrahmung eingefasst.

Es ist möglich, dass die als Hoheitszeichen über dem Burgtor angebrachte Tafel polychrom gefasst war. Erhebliche Witterungsspuren an dieser bezeugen, dass sie etwa einhundert Jahre der Witterung ausgesetzt war (bis zum Bau des Torhauses).

Anhand der Tafel können Tor und Ringmaueranlage in die Zeit um 1412 datiert werden und der Amtszeit Bischof Friedrichs IV. zugeordnet werden. Es handelt sich aufgrund der Größe und der bildhauerischen Qualität der Darstellung um eine der bedeutendsten spätmittelalterlichen Bauinschriften in Franken.

Eine in der Darstellung auffallend ähnliche Bauinschrift Bischof Friedrichs IV., jedoch wesentlich kleiner als in Herrieden, ist am Torturm der Ortsbefestigung in Mörnsheim (Ldkr. Eichstätt) erhalten.11

Die Ringmauer des 15. Jh. dürfte einen Wehrgang getragen haben, von dem allerdings aufgrund später Eingriffe keinerlei Befunde künden.

zum Seitenbeginn

Das Torhaus von 1510

Im Jahre 1510 wurde feldseitig vor dem Ringmauertor ein zweigeschossiges Torhaus mit Staffelgiebeln und Satteldach errichtet. Die Entstehungszeit ist durch die Bauinschrift über der feldseitigen Toröffnung sowie durch dendrochronologische Untersuchungen gesichert.

Der rechteckige, quer vor der Ringmauer im Graben stehende Bau von etwa 6,80 x 12,70 m stößt mit Fuge gegen die ältere Ringmauer des frühen 15. Jh., die dessen Ostwand bildet.

Das Mauerwerk besteht aus Keupersandstein-Bruch- und Hausteinen, die mit Kalkmörtel versetzt wurden; für die Eckquader der Feldseite, Fenster- und Torgewände sowie Zierglieder wurde Werkstein desselben Steinmaterials verwendet.

Das fragmentarische Vorhandensein eines profilierten Wasserschlags an der nördlichen Traufseite zwischen Erd- und Obergeschoss verweist auf ein den Bau gliederndes, ehemals umlaufenden Gurtgesims (dieses 1762 auf der Stadtansicht von Moritz Pedetti dargestellt).

Axial über dem Außentor befindet sich eine rechteckige Steintafel aus Buntsandstein, die im Flachrelief drei Wappen zeigt: mittig dasjenige des Domkapitels (drei Leoparden), unten links das des Hochstifts (Bischofsstab), unten rechts das des seinerzeit amtierenden Fürstbischofs Daniel von Eyb (drei Muscheln). Die Wappen werden von an Ringen aufgehängten Zapfen, einem Vorhangbogen sowie zwei Kreissegmenten begleitet, wobei das Familien- und das Hochstiftswappen mit Lederriemen (daran Schnallen) an Ringen aufgehängt sind. Ein kleines, an den Enden eingerolltes Spruchband am unteren Tafelende trägt die Jahreszahl ·M·D·X· (1510). Die außerordentlich feine Ausarbeitung der Tafel, sichtbar vor allem in den Details und der Hinterschneidung des Zierrats, zeugt von hohem bildhauerischem Niveau. Analog zur Tafel über dem Ringmauertor des frühen 15. Jh. ist auch hier von einer polychromen Fassung auszugehen.

Vergleichbar gestaltet ist die etwas ältere Tafel an der Fronveste der Stadtbefestigung von Herrieden, die neben dem Wappen des Hochstifts das Wappen des Fürstbischofs Johann II. von Heideck (amt. 1415 – 1429) zeigt.